Über Schokolade 

Kapitel 1

»Frühe Geschichte«

2000 v. Chr. Im hondurischen Ulúa-Tal entdeckten Historiker die ältesten Trinkbecher und Teller, die je in Lateinamerika gefunden wurden. Diese Becher dienten ausschließlich der Zubereitung und dem Verzehr von Xocoatl.

200 - 900 Die Maya opferten dem Kakaogott (Ek Chuah). Die Maya-„Bibel” Popl Vuh und das heilige Buch der Maya „Chilam Balam” beziehen sich oft auf Kakao. Kakao war in der Mayakultur ein Zahlungsmittel. Das Verb „cacau” bedeutete ursprünglich „übernommen von denen, die laufen, arbeiten oder anbauen”. Übernommen wird dabei interpretiert als - Umtausch, Zahlung oder Herstellung. Das bezieht sich auf die Rolle des Kakaos als Tauschmittel, als Geld. Es wurde später von der Aztekenkultur in verschiedenen Wortzusammensetzungen wie nocacau (mein Geld) oder mocacau (dein Geld) weitergeführt. Die Spanier übernahmen das Wort Kakao, da es deutlich mit dem getauschten Gut zusammenhing: der Kakaobohne. Darum waren die Spanier überzeugt, dass der Name „cacau” die Pflanzenbezeichnung des Kakaos war.

900 - 1500 Beginn des Rückgangs der Maya-Kultur. Nachdem die Maya-Kultur vollständig verschwunden war, wurde Kakao beliebtes Getränk bei den Tolteken, den Maya-Nachfahren.
Um 1300 gründeten die Azteken ihre ersten Gemeinden in Mexiko. Die alten Tolteken-Gebräuche und deren Religion wurde Bestandteil der Kultur der Azteken. Die Azteken verehrten erneut den Toltekengott Quetzalcoatl, als Verbindung zwischen Azteken und Kakao. Nach der Legende bekam Quetzalcoatl den Kakao als Gabe der Götter und verschwand eines Tages auf einem Floss auf dem Meer und wurde niemals wieder gesehen. Die Azteken waren überzeugt, dass Quetzalcoatl im Jahr 1519 an exakt derselben Stelle auftauchen würde, an der er verschwunden war - aber es waren die Spanier, die da kamen.

Quelle: Schokoladenlexikon

Die Sage von Quetzalcoatl

Quetzalcoatl, so erzählt eine alte mexikanische Sage, der Gott des silbernen Mondscheins und der kühlenden Winde, herrschte als König der Tolteken im Wunderlande Tullan, wo es weder Tränen noch Schmerzen und Sorgen gab.
Die Tolteken waren unermesslich reich, aber viel mehr wert als blitzendes Gold und funkelnde Edelsteine war ihnen der Kakaobaum, dessen Samen Quetzalcoatl aus lichten Gefilden, wo die ersten Söhne der Sonne wohnten, hergebracht hatte. Aus den fein zerriebenen und gerösteten Bohnen des Kakaobaums bereiteten die Tolteken ihr Cacauatl, ein gar herrliches Getränk, belebend und stärkend zugleich. Das Glück der Tolteken schien ewig zu dauern. Doch Quetzalcoatl verfiel aus unerfahrenen Gründen der Sünde und brachte großes Unheil über Tullan. Tief bekümmert über die bösen Folgen seiner Schwäche, vergrub Quetzalcoatl den Toltekenschatz, verwandelte die Kakaobäume in gewöhnliche Dornakazien und sucht den Flammentod.

Nach langen Jahren reuevoller Buße bekamen die Azteken, die Nachfolger der Tolteken, den Kakaobaum wieder zurück. Das große Wunder hatte Ekchuah vollbracht, der schwarze Gott, der auf seinem Haupte die Schale mit den Kakaoschoten trägt. Zu seiner letzten Ehre feierten die Azteken prunkvolle Feste, denn der Kakaobaum wurde als der Baum der Bäume verehrt. Die Frucht aber bildete das Köstlichste, was im Lande der Azteken gedieh. Kein Schatz dieser Erde konnte damit verglichen werden. Kakao war der Inbegriff allen Glückes. Er war Reichtum und Wohlstand. Kakao war alles.

Quelle: Mattle’– Pralinepassepartout

»Auf den Spuren der Schokolade«

Bei den Tolteken wurde Quetzalcoatl als Haupt- und Schöpfergott verehrt. Er wurde für den Morgenstern gehalten und brachte ihnen die Kakaobohne. Quetzalcoatl bedeutet gefiederte Schlange, nach dem Quetzal (der Vogel) und Coatl (die Schlange).
Der Quetzal (Pharomachrus mocinno) ist ein auffallend grün- und scharlachrot gefärbter Vogel. Die Oberschwanzdeckfedern können bis zu 80 cm lang werden. Vor allem während der Brutzeit führen die Quetzalmännchen spektakuläre, wenige Sekunden dauernde Balzflüge aus. Aus den Bäumen im Kammbereich der Berge steigen sie mit ihrem quackernden Flugruf im welligen Flug nach oben, um dann im Sturzflug aus dem Himmel wie ein grüner Blitz wieder in den Kronen zu verschwinden. Bei der Brut und Versorgung der meistens zwei Jungen wechseln sich die Geschlechter ab. Nach der Brutzeit wandern die Quetzale in tiefer gelegene Bereiche der Gebirge aus. Die stachelbeergroßen Früchte wild wachsender Avocadobäume (Lauraceae) dienen in hohem Anteil als Nahrung.

Wegen ihrer prachtvollen langen Schwanzfedern, die als Kopfschmuck für die Priester dienten, wurden die Vögel von den präkolumbischen Kulturen gejagt. Da die Azteken in Mexiko die Quetzale als Gottheiten verehrten, wurden sie jedoch nicht getötet. Sie wurden gefangen und die langen Oberschwanzfedern wurden ausgerissen. Wer einen Quetzal tötete, wurde mit dem Tode bestraft. Heute werden Quetzale illegal gejagt und getötet. Bis vor kurzem galt es als unmöglich einen Quetzal in Gefangenschaft zu halten, da er sich in einer Gefangenschaft nach kurzer Zeit selbst tötet. Allerdings gelang es einem Zoo in Mexiko diesen Vogel seit 1992 zu halten, und 2004 brüteten sie sogar in der Gefangenschaft. Der Quetzal wurde das Wappentier Guatemalas. Die guatemaltekische Währung trägt seinen Namen.

»Kakao als Zahlungsmittel«

um 900 – Mittelamerika:

  • 400 Bohnen = ein Zontli
  • 8000 Bohnen = ein Xiquipilli (ein gefüllter Korb stellte die Zahl 8000 dar)

1513 – Mittelamerika:

  • 100 Bohnen = 1 Sklave

1545 – Mittelamerika:

  • 1 Bohne = 1 Tomate
  • 3 Bohnen = 1 Fisch
  • 100 Bohnen = 1 Hase
  • 200 Bohnen = 1 Truthahn

Bestechung

Bis ca. 1660 wurden Kakaobohnen auch als Tauschobjekt für Federn, Edelsteine, Töpfereien und Stoffe verwendet.

  • Erstes Auftreten von Fälschungen aus minderwertigen Bohnen durch Aufquellen im Wasser und künstliche Färbung.
  • Ab 1700 auch Fälschung des Getränks durch Einsatz gerösteter, geschälter und gemahlener Lindensamen.

Luxusteuer

1704 – Friedrich I. von Preußen: Wer Schokolade trinken wollte, hatte zwei Taler für einen Erlaubnisschein zu zahlen.

»Geschichte der Verbreitung der Schokolade«

Die ersten Kakaoplantagen wurden um 1550 von den spanischen Kolonialisten in Mexiko angelegt. Um den bitteren Trank dem europäischen Geschmack anzupassen, gab eine Nonnengemeinschaft in Oaxaca Rohrzucker, Anis und Zimt hinzu. Schokolade wurde im 16. und 17. Jahrhundert nach Europa gebracht – zuerst ausschließlich nach nach Spanien. Der Verzehr von Schokolade wurde ein exklusives Privileg der Aristokratie und der Geistlichkeit am Königlichen Hof. Schokolade war für die unteren Klassen nicht erschwinglich. Sie blieb ein Luxusgut für besondere Anlässe. Adlige Damen machten es zur Gewohnheit bei den langen kirchlichen Gottesdiensten Schokolade zu verzehren. Die Geistlichkeit schätzte diese Gewohnheiten nicht und versuchte den Schokoladenverzehr als sündhaft zu unterbinden.

Die Spanier verteidigten ihre Schokoladenmonopol bis in das 17. Jahrhundert. Dann veröffentlichte ein Italiener, Antonio Carletti das Rezept für süße Schokolade in seinen Reiseberichten. Die Italiener erlagen sofort dem göttlichen, süßen Geschmack und viele „Cioccolatieri” entstanden im Norden Italiens, wobei Perugia das Schokoladenzentrum und Venedig die Wiege der ersten Schokoladenläden war. Schokolade war nicht immer hart, glänzend und knackig, wie wir sie heute kennen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Schokolade hauptsächlich als Getränk verzehrt: gepresste „Kekse” aus Schokoladenpulver wurden in heißer Milch oder Wasser gelöst. Die Erfindung der Kakaopresse durch den Niederländer Coenraad Van Houten im Jahr 1828 förderte die Entwicklung unserer „modernen”, festen Schokolade. Die britische Familie Fry behauptet den ersten Schokoladenriegel überhaupt verkauft zu haben.

Quelle: Schokoladenlexikon